fem.pop | Radio FRO | Hip Hop Edition
Fem.pop Radio - Juni 2026:
Sprachkunst, Grooves, Open Mic Sessions, Poetry Slams, Battle Rap, Goldkettengeklimpere, Prahlerei & wortgewandte Sozialkritik, Gänsehaut-Monolog, frivoler Hedonismus, Traumaverarbeitung und cooles Oberkörperwippen: HipHop hat ungefähr so viele Facetten wie es Artists gibt. Was hierzulande in den 90ern mal eine reine Männerdomäne zu sein schien, ist mittlerweile mehr denn je von weiblichen Künstler:innen geprägt.
Auch wenn es noch einiges zu tun gibt auf dem Weg zu geschlechtlich ausgewogenen Line-Ups, Radio-Airplay und angemessener Repräsentation von Flinta*-Artists, skizziert der fem.pop Beitrag im Juni quer durch den musikalischen Garten Österreich, was die Szene so zu bieten hat.
Playlist:
Yasmo & Klangkantine - “#Yasmo hat gesagt” 2017 – Spotify / Bandcamp
Miss Lead - "I Quit“ 2021 – Spotify
Mieze Medusa - “Milla Yolobitch” 2022 – Spotify
Verifiziert - “Suzuki Swift” 2023 – Spotify
Miss BunPun - “Cheeky Girl” 2026 – Bandcamp
Miss BunPun/RawCat - “Fass mich nicht an” 2026 – Bandcamp
Spilif - “Rap Ist” 2023 – Spotify
Spilif - “For the sake of it” 2025 – Spotify
Kitana - “Kitana Season” 2023 – Spotify
Hunney Pimp - “Im Mood” 2024 – Bandcamp / Spotify
Keke - “Intro” 2022 – Spotify
Nenda - “Mountain Goat” 2025 – Spotify
Eli Preiss - “Bussi” 2026 – Spotify
Eli Preiss ft. Donna Savage - “uff, nein” 2023 – Spotify
Donna Savage - “Neue Männer” 2026 – Spotify
BEX - “BBL” 2023 – Spotify
Radio Skript:
Irgendwann in den 90ern soll das ja einmal eine Männer-Monokultur gewesen sein. Schaut man heute in den Wald aktueller Veröffentlichungen ist das schwer zu glauben, denn mehr denn je ist die Szene der groovebetonten Sprachkunst von weiblichen Artists geprägt. Egal ob Boom Bap, Gangstarap, Conscious- oder Cloud Rap: dass es heute kein Kuriosum mehr ist, wenn eine Frau sich vor ein Mikro stellt und zu rappen beginnt, ist der Vorarbeit vieler großartiger Künstler:innen zu verdanken, die diese Räume für sich beansprucht haben:
Yasmo & Klangkantine - “#Yasmo hat gesagt” (2017) | Spotify / Bandcamp
Seit
vielen Jahren in der Szene aktiv ist zum Beispiel Rapperin und Poetry
Slammerin Yasmin Hafedh aka Yasmo. Im folgenden Track „#Yasmo hat
gesagt“ aus dem Jahr 2017 hat sie einiges zu sagen, über das
„Etwas-zu-sagen-haben“ und was passiert, wenn sich die Leute nicht mehr
zuhören.
Miss Lead - “I Quit“ (2021) | Spotify
Yasmo
zählt zu den bekanntesten Conscious Rap-Stimmen des Landes. Etwas
weniger geläufig ist, dass sie auch unter einem englischsprachigen
Pseudonym Tracks veröffentlicht hat. Ihr Alter Ego nennt sich Miss Lead,
kommt aus dem Stadtteil Brixton im Süden Londons und hat 2021 den jetzt
zu hörenden Song „I Quit“ herausgebracht.
Mieze Medusa - “Milla Yolobitch” (2022) | Spotify
MIEZE
MEDUSA, die im echten Leben Doris Mitterbacher heißt und in Deutschland
geboren wurde, ist in der Ausgabe heute unsere am längsten im Business
vertretene Künstlerin. Auch als Rap-Duo mit Tenderboy Anfang der Nuller
Jahre schon sehr erfolgreich und vor allem als eine der ersten
weiblichen Künstlerinnen im HipHop in Österreich überhaupt, war MIEZE
MEDUSA schon sehr früh im Bereich Poetry Slam umtriebig und gehört in
dieser Szene zu einer der festen Größen und Pionierinnen.
Sie ist auch als Autorin tätig und hat schon etliche Bücher geschrieben und zB auch Texte für das feministische Popkulturmagazin an-schläge und das Wiener Gratismagazin The Gap verfasst.
Den nächsten Track Milla Yolobitch hat MIEZE MEDUSA 2022 zusammen mit dem oberösterreichischen Texta-Rapper & Produzenten FLIP aufgenommen, nachdem sie ihren Roman „Was über Frauen geredet wird“ fertigstellt hat. Der Song wird von einer der Protagonistinnen im Buch performt, MIEZE MEDUSA hat ihn anschließend live erlebbar gemacht.
Verifiziert - “Suzuki Swift” (2023) | Spotify
Die
Wienerin Verena Haselböck alias VERIFIZIERT ist seit ungefähr Ende 2019
in der österreichischen Musikszene aktiv, hat schon viele
Live-Auftritte hinter sich, bewegt sich mehr im Cloud Rap/Pop,
Contemporary R&B und Lo-Fi House – Bereich und hat schon mit einigen
Szene-Produzenten wie prodbypengg, Skyfarmer, prod.suki und vielen
mehr, zusammengearbeitet.
VERIFIZIERT geht in ihren Texten mit ihren Alltagsproblemen und Diagnosen wie ADHS sehr offen um, oft verpackt in verträumten & entschleunigten Melodien & Beats. In einigen Songs geht es in persönlichen Geschichten um Autos (& deren Innenräume), diese sind dann dementsprechend auch nach Automarken oder Modellen benannt worden.
Ein solcher ist der nächste Track SUZUKI SWIFT, ist 2023 erschienen und wurde von Florida Juicy & Marcel Heym produziert, mit denen sie auch schon länger unterwegs ist und in der Vergangenheit einiges released hat.
Miss BunPun - “Cheeky Girl” (2026) | Bandcamp
Auch
MISS BUNPUN, formerly known as MISSES U und mit bürgerlichen Namen
eigentlich Ursula Wögerer ist in der Szene längst keine Unbekannte mehr.
Auf ihrem neuen Album „Cheeky Girl“ singt und rappt sie nicht nur,
sondern ist auch als Producerin tätig. Das beim Wiener Flinta* Label
Beatzarilla erschienene Album beschreibt sie selbst als
queerfeministisches Manifest. Wir hören daraus den Song „Cheeky Girl“.
Miss BunPun/RawCat - “Fass mich nicht an” (2026) | Bandcamp
Eben
hörten wir den Song „Cheeky Girl“ aus dem gleichnamigen Album von MISS
BUNPUN. Darauf findet sich auch eine Collab mit ihrer
Beatzarilla-Labelkollegin RAWCAT. Die Rapperin und Beatboxerin hat ihr
Debütalbum „Ich komme“ 2023 den vielen Facetten weiblicher Lust
gewidmet. Auf dem gemeinsamen Track „Fass mich nicht an“ geht es aber
vor allem ums Grenzen-Aufzeigen.
Spilif - “Rap Ist” (2023) | Spotify
Gute
Rapper-Namen sind nicht immer einfach zu finden. Ausnahmen bestätigen
bekanntlich die Regel, wie etwa im Falle von Bettina Filips, deren
Nachname rückwärts gelesen SPILIF ergibt. Unter genau diesem Namen hat
die aus Innsbruck stammende Sprachkünstlerin 2023 ihr Debüt-Album
„Irgendetwas das du liebst“ veröffentlicht. Lieben tut sie dabei vor
allem das Kreieren poetischer und nachdenklicher Texte, wie zum Beispiel
auf dem Track „Rap ist“. Falls sich jemand fragt, was Rap ist, Spilif
hat die Antwort:
Spilif - “For the sake of it” (2025) | Spotify
Im
Gegensatz zu vielen anderen ihrer Rapper-Kolleginnen tritt SPILIF
vorzugsweise mit ihrer Live-Band auf und hat diese auch im Studio mit
dabei. Die Magie der Kombination von Hip-Hop und Band hört man auch auf
dem 2025 erschienen Song „for the sake of it“.
Kitana - “Kitana Season” (2023) | Spotify
Bei
aller Liebe und Wholesomeness: Was wäre HipHop ohne zwischendurch mal
den oder anderen Diss-Track zum Dampf ablassen? Auf „Kitana Season“ holt
die bosnisch-kärntnerische Rapperin KITANA gegen strukturellen Sexismus
in der Musikbranche aus und nimmt dabei unter anderem den
Rapperkollegen Yung Hurn ins Visier. Der im Hip-Hop gebräuchliche
Ausdruck „Punchline“ für eine Pointe auf Kosten des Gegenübers, passt in
diesem Fall wie die Faust aufs Auge.
Hunney Pimp - “Im Mood” (2024) | Bandcamp / Spotify
Die
nächste Künstlerin HUNNEY PIMP stammt ursprünglich aus Oberösterreich,
lebt aber seit Jahren ebenfalls in Wien. Die Tageszeitung „Der Standard“
hat ihr 2019 aufgrund ihres Dialekt-Rapstils und des damals neu
erschienenen Albums Chicago Baby einen Artikel mit der Headline „Die
Hildegard Knef des Dialekt-Rap“ gewidmet.
Von Vorbildern wie Blumentopf und Black Milk lyrisch & musikalisch geprägt, hat HUNNEY PIMP einige Tracks & Alben mit dem Wiener Rapper & Produzenten MELONOID veröffentlicht, unter anderem eben auch das Album Chicago Baby, erschienen beim Wiener Label PHAT PENGUIN.
Den Song, den wir jetzt von HUNNEY PIMP spielen werden, heißt IM MOOD, geht textlich schnell und flowig dahin und ist von dem 2024 erschienen Album DIE BESESTE, das in Zusammenarbeit mit dem Wiener Rapper FID MELLA und dem Salzburger Hanuschplatz Flow Kollektivs-Produzenten Lex Lugner entstanden ist.
Keke - “Intro” (2022) | Spotify
Mit
ihrem 2018 erschienen Debüttrack „Donna Selvaggia“ sorgte die Wiener
Musikerin Kiara Hollatko für ordentlich Wirbel in der deutschsprachigen
Hip-Hop Szene. Unter dem Namen KEKE arbeitete sie mit internationalen
Acts wie Trettmann, Kummer, Mark Forster und vielen mehr. In ihren Songs
setzt sie sich offen mit Themen wie Depression, Essstörung und
Panikattacken auseinander. Im Song „Intro“ reflektiert sie ihren Rise to
Fame und über eine dsyfunktionale Musikbranche, in der die mentale
Gesundheit der Artists kaum Stellenwert genießt.
Nenda - “Mountain Goat” (2025) | Spotify
Auf
geht’s nach Tirol. Dort hat die Ötz-talerin NENDA, die sich auch
gelegentlich aufs Skateboard schwingt, schon 2020 mit ihrer Single MIXED
FEELINGS den Rassismus in ihrer Heimat angeprangert und in einem
English/Deutsch/Dialekt-Mix den Alltag als POC (Person of Color) in
Tirol/Österreich beschrieben.
Mittlerweile nach London ausgewandert, hat NENDA nochmal den Blick von außen auf ihre Heimat gerichtet und mit dem Track MOUNTAIN GOAT, der auf dem 2025er Album KRRRA erschienenen ist und vom UK-Label “Whirlwind” veröffentlicht wurde, die für sie fast alltäglichen Diskussionen & auch Konfrontationen über ihre Herkunft & Hautfarbe, aber auch letztendlich die Verbundenheit zu ihrer Heimat in einem weiteren Song niedergeschrieben.
Eli Preiss - “Bussi” (2026) | Spotify
Die
eigentlich aus Kärnten stammende aber in Wien aufgewachsene bzw. in
Berlin wohnhafte ELI PREISS ist schon länger in der Wiener Hiphop/Rap
Szene aktiv. Anfangs noch Englisch rappend bzw. singend kam um 2020
herum der Switch zur deutschen Sprache/Deutschrap, oft mit dabei der
Wiener Produzent & Rapper prodbypengg. Mit schon über zwanzig EP
& Album Releases zählt sie zu einer der output-freudigsten
Künstlerinnen Österreichs. im Frühjahr 2026 hat ELI PREISS ihr neues
Album SELBSTBEWUSST veröffentlicht, aus dem der nächste Song BUSSI ist.
Neben Kollabos mit deutschen Rappern wie Makko und T-low, die ebenfalls auf dem Album zu hören sind, ist ELI PREISS auch in Wien bestens vernetzt und so spielen z.B. auch ihre Genre-Kolleginnen DONNA SAVAGE und verifiziert in dem Video zu dem Track BUSSI mit, der eine Hymne an die Selbstbestimmung und das Frau-sein ist. Der Intro-Text ist übrigens ein kurzer Sample-Schnipsel aus dem Film Sisi mit Romy Schneider, produziert wurde der Song vom schweizerischen Produzenten Endzone.
Eli Preiss ft. Donna Savage - “uff, nein” (2023) | Spotify
Apropos
Kollaborationen: Einen schönen Vergleich der verschiedenen Rap-Stile
von ELI PREISS und der Wienerin DONNA SAVAGE, auf die wir nach dem
nächsten Track noch genauer eingehen werden, bietet der Song UFF, NEIN,
der 2023 auf dem Album „b.a.d.“ erschienen ist und von suki und melik
produziert wurde. Die weichere, soulige, aber trotzdem „harte“ ELI
PREISS zusammen mit der Gangster-Rapperin DONNA SAVAGE, beide mit dem
Überthema Selbstbestimmung & Unabhängigkeit von Männern.
Donna Savage - “Neue Männer” (2026) | Spotify
DONNA
SAVAGE, die 2026 mit den Wiener Beat-Produzenten & Rapper BRENK SINATRA ihr neues Album GUSCH produziert hat und mit dem sie auch seit
geraumer Zeit zusammen arbeitet, gehört in Wien und im deutschsprachigen
Raum schon länger zur härteren Abteilung und fühlt sich im Gangster und
Deutschrap Genre a la Aggro Berlin am wohlsten, schreckt aber auch vor
Disco & House-Beats, wie z.B. in ihrem 2022 erschienen Track Crush,
nicht zurück.
Dass DONNA SAVAGE aber auch zu gefühlvollen und orchestralen Melodien statt satten Beats rappen kann und ihre musikalische Bandbreite präsentiert, beweist sie im nächsten Track NEUE MÄNNER, den sie zusammen mit dem kanadischen Musiker Chili Gonzales & Band live eingespielt hat.
BEX - “BBL” (2023) | Spotify
Bis
zu ihrem neunten Lebensjahr verbrachte die nächste Künstlerin BEX ihre
Kindheit in Ghana ehe sie zu ihrer Pflegegroßmutter nach Salzburg zog
und dort aufwuchs. Das Leben als POC (Person of Color) und den
alltäglichen Rassismus, den sie dort erfahren hat, brachten sie dazu
sich mehr mit ihrer Familie, Vorfahren und Wurzeln zu beschäftigen und
baute diese Erkenntnisse & Bestandteile in ihre künstlerische
Identität (mit) ein.
Ab 2019 in Wien, lernte BEX bei einer Demo gegen Polizeigewalt die Musikerin ÆNGL (englisch ausgesprochen also: „Ändschl“) kennen, die ihr anschließend die Musik- und LGTBQ+ Szene Wiens näher brachte und die fortan in ihrem künstlerischen Schaffen eine große Rolle spielen wird.
Musikalisch ist BEX äußerst vielseitig und rappt recht explizit und hart auf vielen verschieden Elektro-, Techno-, etc. Beats, kann aber auch gefühlvoll und auf melodischen Tracks ihre Poesie & Lyrik Skills unter Beweis stellen. Der nächste Track fällt eher unter die Kategorie Banger/ClubKracher, heißt BBL und ist 2023 von Fiakka Records released worden.
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Moderation: Sigrid Dibon
Redaktion: Werner Ringitscher & Julian Höckner
